Wir sind „Sauerland Initiativ“, ein Zusammenschluss aus 85 Sauerländer Unternehmen mit mehr als 120.000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von über 52 Milliarden Euro. Doch hinter all diesen Zahlen stehen vor allem Menschen: Unternehmerpersönlichkeiten, die ihre Wurzeln in der Region haben, Verantwortung übernehmen und das industrielle Herz Südwestfalens Tag für Tag weiter stärken. Einer von ihnen ist Dr. Thomas Triska, CFO der Vossloh AG.
Geboren in Balve, familiär tief im Sauerland verwurzelt, war für ihn früh klar, welche Bedeutung Herkunft und Heimat für das eigene Leben haben können. Als er 2009 vor der Entscheidung stand, welchen beruflichen Weg er einschlagen würde, spielte die Region deshalb eine entscheidende Rolle. Heute arbeitet er beim international tätigen Bahninfrastruktur-Unternehmen Vossloh, dessen Hauptsitz sich in Werdohl befindet – mitten im Sauerland.
Was die Region besonders macht, wurde ihm vor allem durch die Distanz bewusst. Zehn Jahre lebte er in Münster und im Ruhrgebiet. Doch wenn er heute die Balver Höhle zum traditionellen Schützenfest betritt, spürt er jedes Mal aufs Neue, welches Geschenk diese Heimat ist. „Wenn man dort wohnt, hält man vieles für selbstverständlich“, sagt er rückblickend.
Berufliche Erfahrungen außerhalb der Region sammelte er während seiner Promotion in Münster sowie anschließend bei der ThyssenKrupp AG, damals noch in Düsseldorf ansässig. Heute ist er weltweit unterwegs, denn Vossloh verfügt über Produktionsstätten in mehr als 20 Ländern. Besonders gelernt habe er dabei, wie unterschiedlich Kulturen funktionieren – und wie wichtig gegenseitige Wertschätzung ist, um Unterschiede zu überwinden.
Trotz aller internationalen Erfahrungen zog es ihn letztlich zurück ins Sauerland. Hier stimme für ihn das Gesamtbild: das Umfeld, die Menschen und die hohe Lebensqualität. Auch wenn manche Wege länger seien als in einer Großstadt, schätze er besonders den hohen Stellenwert von Tradition und Kultur in der Region – etwas, das seiner Meinung nach in vielen urbanen Zentren zunehmend verloren gehe.
Die Menschen im Sauerland beschreibt er mit einem einzigen Wort: kernig. Gleichzeitig sieht er durchaus Herausforderungen, junge Fachkräfte langfristig für die Region zu begeistern. Gerade deshalb habe Vossloh in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Zudem helfe das „grüne Geschäftsmodell“ des Unternehmens dabei, gerade junge Menschen anzusprechen, die Wert auf Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit legen.
Auch deshalb engagiert er sich bei „Sauerland Initiativ“. Das Sauerland werde häufig unter Wert verkauft, findet er. Mit seinem Engagement möchte er dazu beitragen, die Region stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Besonders schätzt er dabei die Vernetzung mit anderen Unternehmerpersönlichkeiten, die das Sauerland wirtschaftlich prägen.
Im Umgang mit Mitarbeitern sind ihm Offenheit, Transparenz und Wertschätzung besonders wichtig. Seinen Führungsstil beschreibt er selbst als motivierend und gleichzeitig anspruchsvoll. Vertrauen sei dabei die absolute Grundlage: „Ohne Vertrauen geht es nicht.“ Diese Haltung habe auch seinen eigenen Weg geprägt. Dass er einmal in den Vorstand eines börsennotierten Unternehmens aufsteigen würde, sei keineswegs selbstverständlich gewesen. Vieles sei auch mit etwas Glück verbunden, sagt er. Entscheidend sei für ihn immer gewesen, bei allem das Beste zu geben – dann würden sich neue Türen oft ganz automatisch öffnen.
Mit Blick auf Vossloh verweist er auf eine Entwicklung, auf die er besonders stolz ist. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Seit 2020 hat sich der Umsatz nahezu verdoppelt, das operative Ergebnis ist dabei noch stärker gestiegen. Auch die positive Entwicklung des Aktienkurses verdeutlicht den erfolgreichen Kurs des Unternehmens. Besonders stolz ist er darauf, Vossloh durch eine schwierige Transformationsphase begleitet zu haben und das Unternehmen heute strategisch klar und zukunftsfähig aufgestellt zu sehen.
Dabei waren die vergangenen Jahre keineswegs einfach. Die jahrzehntelange Vernachlässigung des Verkehrsträgers Schiene sorgte zwischen 2010 und 2020 für ein schwieriges Marktumfeld. Besonders prägend waren für ihn in dieser Zeit die Jahre der Restrukturierung und Neuausrichtung des Vossloh Konzerns, die keineswegs einfach waren und mitunter auch harte Entscheidungen erfordert haben. Mit dem zunehmenden Fokus auf nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität haben sich die Perspektiven inzwischen jedoch deutlich verbessert. Genau darin sieht er auch die große Chance der Branche: Die Schiene wird zur Erreichung der Emissionsziele im Verkehrssektor künftig eine zentrale Rolle spielen.
Typisch sauerländisch sei an Vossloh vor allem die eigene Entstehungsgeschichte. Die Region rund um Altena und Werdohl besitzt seit Jahrzehnten eine starke Tradition in der Stahl- und Drahtverarbeitung. Aus einer ursprünglich aus Draht gebogenen elastischen Spannklemme entwickelte sich im Laufe der Zeit das weltweit führende Schienenbefestigungssystem – ein Beispiel dafür, wie eng Tradition, Handwerk und Innovation im Sauerland miteinander verbunden sind.
Tradition besitzt für ihn bis heute einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig nimmt Innovation in der Bahnbranche zunehmend an Bedeutung zu. Lange galt die Industrie als eher schwerfällig und langsam in Veränderungsprozessen. Doch der Druck auf Betreiber und Infrastrukturunternehmen wächst stetig, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und die Verfügbarkeit der Strecken zu erhöhen. Effiziente Instandhaltungsmethoden und technologische Innovationen werden dabei zu entscheidenden Faktoren – – und eröffnen Vossloh gute Perspektiven für die kommenden Jahre.
Für die Zukunft wünscht er sich für Deutschland und speziell für das Sauerland vor allem stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit die Menschen in der Region weiterhin gut leben und arbeiten können. Gerade die aktuelle Lage der Automobilindustrie stelle viele Unternehmen vor Herausforderungen. Gleichzeitig werde die sinnvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz die Wirtschaft in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.
Was ihn persönlich antreibt? Jeden Tag ein Stück dazu beizutragen, Vossloh besser zu machen.
Jungen Menschen, die im Sauerland Karriere machen möchten, gibt er vor allem eines mit auf den Weg: Die Region bietet deutlich mehr Perspektiven, als viele auf den ersten Blick vermuten würden.
Und was bedeutet Heimat für ihn heute?
„Heimat ist das Fundament.“